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I. Bearbeiten

Blut. Geschrei. Ein sterbendes Kind in einer Blutlache. Brennende Felder, ein schwarzer Himmel. Alles dreht sich, schneller, immer schneller. Kalt leuchten Runen, ein schwarzes Schwert. Es Schmerzt, und dennoch ruft es, lässt nicht los, fordert, schreit.


Er schreckt aus dem Schlaf auf. Ein kahles Zimmer, ein Waschtisch, Spiegel, Bett, Tür. Nur ein Traum. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. Erstarrt dann, blickt auf die Hände vor seinem Gesicht.

Blut! Alles voller Blut! Die Arme, die Hände, die Schwerthand mit schwarzen Runen überzogen. Die Bilder, der Traum, er ist wahr! Er zeigt die eigenen Taten. Was....was hast du getan, Benett? Bennet...Benett Acail! Der Name taucht wieder auf, langsam.

Er beginnt zu schreien, noch immer auf die bleichen Hände starrend. Er stürzt zum Waschbecken, schrubbt die Hände mit der groben Wurzelbürste. So viel Blut! Frisch, glänzend....das Blut unschuldiger! Das Wasser bleibt klar, nur die Hände werden irgendwann weich und aufgedunsen wie ein Fischbauch. Er sinkt kraftlos zu Boden und weint ohne eine einzige Träne zu vergießen.

Neben dem Bett, an den Pfosten gelehnt, steht sein Schwert, ein scheußliches Schwarzes Ding, mit unheiligen Runen bedeckt.

Du gehörst mir. Denk daran, was du geschworen hast! Ich habe dir dein neues Leben gegeben. Ohne mich wärst du nichts als Fischfutter!

Erst als er die Hand über die Klinge streichen lässt wird das wispern in seinem Kopf leiser, erträglicher. Er rappelt sich langsam auf, setzt sich auf das Bett, den Kopf in die Hände gestützt. Erinnerungen prasseln auf ihn ein.

Gewissheit, du brauchst Gewissheit.

Er nickt langsam, legt sich seinen Umhang um und verlässt das Gasthaus. Die Nacht ist kalt, doch er scheint es kaum zu merken, das Mondlicht schützt vor den neugierigen und ängstlichen Blicken auf seine bleiche Haut, die widerlich leuchtenden Augen. Die Augen eines Monsters, eines Ausgestoßenen.

Er weiss nicht, wie lange er gewandert ist, doch ist immer noch finstere Nacht als er endlich vor dem verbrannten Haus steht. Es ist noch nicht lange her, dass er mit seinem Herrn, seinem neuen Meister hier war. Er hatte ihm etwas über seine Familie gesagt doch...war da diese Stimme in seinem Kopf. Diese Stimme die warnt. Vor Lügen und falschen Freunden.

Er durchstöbert die Trümmer, Möbelreste, verkohlte Wände. Wer auch immer das Feuer entfacht haben mag, er war nicht sonderlich gründlich.

Er hebt ein angekohltes Stück Leinwand auf.. Ein Gemälde, nass, an den Rändern zerfetzt, aber dennoch noch gut zu erkennen. Er dreht es um, betrachtet es, erstarrt. Ein kleiner, blonder Junge auf den Armen eines jungen Mannes, der Leuchtturm von Westfall. Beide lächeln, ein Sommertag. Er beginnt leicht zu zittern. Er kennt den Mann...oder besser das, was aus diesem Mann geworden ist. Er ist inzwischen Älter...und ohnehin weit davon entfernt noch menschlich zu sein. Bennet nennt ihn nur Meister.

Vater...

Er unterdrückt einen Aufschrei, lässt das Bild fallen, stürzt aus dem Haus zu dem Grabstein seiner Mutter. Er ist von Schlingpflanzen überwuchert, erst vor ein paar Tagen hat er mit seinem vermeintlichen Herren hier hier gestanden. Er reißt die Pflanzen ab, die Aufschrift kommt zum Vorschein. Sie lautet nicht auf den Namen seiner Mutter.

„Caindrick Acail

Helden sterben Einsam“


Lügen! Nichts als Lügen und Verrat!

Er zittert vor Wut und Angst.

Was hast du getan? Was hast du all diesen Menschen angetan? Du hast gemordet! Du hast Unschuldige abgeschlachtet, nur um dein eigenes verfluchtes Leben zu retten?!

Er blickt auf seine Hand.

Schwarze Runen, ein bläuliches Leuchten, die Klinge ruft nach ihrem Träger.

Er blickt sich um, Wahnsinn in seinem Blick, er schreit, scheint es kaum zu merken.

Du gehörst mir. Denk dran.

Er stolpert, schlägt der Länge nach hin.

Die Runen, seine Hand brennt, blaues, kaltes Feuer!

Ein rostiges Beil im hohen Gras! Er lacht auf, irre, hysterisch, schließt die linke Hand darum, legt seine rechte Hand auf einen flachen Stein. Er

Wage es nicht! Du bist mein!

schlägt zu, bevor die Stimme anfangen kann zu schreien.


II. Bearbeiten

Es ist nicht sonderlich warm an diesem Vorfrühlingstag im Wald von Elwynn aber er schwitzt wie das sprichwörtliche Schwein vor der Schlachtbank. Seine Hand fährt über das raue Holz der Tür, er klopft zögerlich, hält den Blick aber gesenkt.

Idiot, als ob du überhaupt etwas sehen könntest. Reiss dich zusammen, sie ist deine Mutter, sie wird verstehen...

Die Tür öffnet sich und Marysa erstarrt in der Bewegung. Sie hält noch das Geschirrtuch in der Hand, welches sie jetzt aber schnell fallen lässt. Sie stolpert einen Schritt rückwärts und schnappt hörbar nach Luft.

Sag schon was, steh nicht so da wie festgewachsen!

Er blickt langsam auf und fummelt nervös an der Augenbinde herum, natürlich ohne wirklich etwas zu sehen. Seine Hände würden gerne seine Brille polieren, aber sie ist nicht da. Einen Atemzug lang scheint er zu überlegen, dann sagt der das dümmste und gleichzeitig auch das klügste, was ihm einzufallen scheint.

„Ich..ich bin wieder...zu Hause.“

Marysa schluchzt trocken auf, geht auf ihn zu, mustert ihn für einen Moment, zuckt zusammen als ihre Blicke bei der Augenbinde hängen bleiben. Sie hatte schon beinahe vergessen, wie groß er jetzt war. In ihren Erinnerungen würde er wohl immer sechs Jahre alt bleiben.

„Mama, es...es tut mir alles...so furchtbar leid...“

Sie holt aus und verpasst ihm eine schallende Ohrfeige. Perfekt aus dem Handgelenk dosiert und so altbekannt und schmerzhaft.

„Das ist für jede Sünde und alle Verbrechen, die du begangenen hast.“ Ihre Stimme zittert etwas.

Sie nimmt sein Gesicht in ihre Hände, küsst ihn auf die Stirn und zieht ihn dann fest an sich als wollte sie ihn nie mehr loslassen.

„Und das ist dafür, dass du endlich wieder zu Hause bist.“


III. Bearbeiten

Möwen kreisen über dem Hafen von Menethil und stürzen sich kreischend auf Abfälle an der Kaimauer. Obwohl sie sich sonst kaum scheuen, einem unvorsichtigem Matrosen das Essen aus der Hand zu reissen, halten sie respektvoll Abstand vor dem Mann, der in sich zusammengesunken und gegen einen Pfosten gelehnt offensichtlich auf dem Steg eingeschlafen ist. Schon seit einigen Stunden schnarcht er dort unruhig vor sich hin und murmelt immer wieder Unverständliches im Schlaf.

Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als ihn ein höfliches, aber sehr deutliches räuspern weckt. Benett schlägt die Augen auf und sieht sich verwirrt um. Vor ihm, in gebührendem Abstand, steht eine Elfe, großgewachsen, schlank, außerordentlich drahtig. Er rappelt sich hastig auf, schiebt die Brille wieder auf die Nase und blickt sein gegenüber fragend an. Sie wartet, bis er sich vor ihr aufgebaut hat und den Zopf neu gebunden, blickt ihn dann zum ersten mal an. Ihr Blick ist eiskalt, voller unverhohlener Arroganz und Abscheu.

Wäre ich etwas unter ihrem Schuh, sie sähe mich genau so an.

Ihre Hand liegt auf dem Knauf der langen, gebogenen Klinge, die sie trägt.

„Benett Acail, nehme ich an?“

Der darnassische Akzent ist hart und kaum zu überhören.

„Ja, also, das heisst, so nenne ich mich nicht m-...egal. Ja, der bin ich. Und ihr...?“

„Siafni Mor'Ladrad.“ Kein Nicken, keine Verbeugung. Ihr Blick ist auf einem Punkt über seinem Kopf gerichtet.

„Ah...dann seid ihr Taringails...äh..Frau. Verlobte.“ Ein nervöses Lächeln, welches wie erwartet nicht erwidert wird.

„Ja. Ich bin hier um ein Versprechen einzulösen. Ich nehme an ihr wisst, dass ich in Liaths letzten Stunden bei ihr war.“ In jedem ihrer Sätze ist der Punkt am Ende förmlich zu hören.

Benetts Miene verfinstert sich schlagartig. Er nickt stumm und senkt den Blick.

„Sie bat mich, euch auszurichten, dass sie euch vergibt.“ Ihr Blick lässt keinen Zweifel daran, dass sie das Gesagte nicht nachvollziehen kann.

„W-was?! Das...oh...“. Er blickt kurz über die Schulter auf das Meer, atmet tief ein und aus. „Das...das hätte ich nicht erwartet.“

„Ich ebensowenig. Sie bat mich, Euch das zu geben.“ Ihre geschlossene Faust schwebt vor seiner Brust, er öffnet die linke Hand und sie lässt einen kleinen goldenen Ring hineinfallen, offensichtlich darauf bedacht ihn auf keinen Fall zu berühren. Benett schließt die Hand fest darum, blickt zu Siafni auf und nickt.

„Ich danke euch dafür. Das...es bedeutet mir viel.“

Sie straft ihn nur mit einem angewidertem Blick, dreht sich um und schickt sich an zu gehen. Nach einigen Schritten bleibt sie jedoch stehen, scheint nachzudenken, dreht sich dann um und kommt wieder auf Benett zu, der noch immer an der selben Stelle steht, die Hand mit dem Ring darin an die Brust gepresst. Sie scheint mit sich zu hadern, streckt schließlich ihre Hand aus, die er zögerlich und etwas umständlich mit der linken ergreift und sie fragend ansieht.

„Ich möchte Euch danken. Ihr habt mein Leben gerettet.“ Sie drückt seine Hand, beugt sich dann vor und haucht ihm einen Kuss auf die Stirn ohne ihn zu berühren, dreht sich dann ohne ein weiteres Wort um und verschwindet raschen Schrittes.